Zehn Jahre Oase – Gedanken von ...

... Gina Kochendörfer-Peter

Seit acht Jahren bin ich mit Unterbrechung dabei.
Im Vorfeld habe ich mir überlegt, was für mich besonders an der Oase war und ist.

Die Oase ist etwas, auch für Stuttgart, Einmaliges!
Im Besonderen möchte ich Ihnen erzählen, wie wichtig für mich die Arbeit mit den Ehrenamtlichen ist. Sie waren und sind das Herz der Oase. Ohne sie würde es die Oase nicht geben.
Das Projekt hatte ja auch ursprünglich das Ziel Beschäftigung und Qualifizierung im Quartier anzubieten.

Angefangen hat alles mit einem „Ein-Euro-Jobber“, der täglich ein Essen zubereitet hat und einer jungen Frau im Service, die bei uns Arbeitsstunden ableistete.
Heute beschäftigen wir acht Ehrenamtliche, die sowohl die Küche wie auch die Cafeteria am Laufen halten. Immer wieder erhalten wir auch Unterstützung durch Menschen, die Sozialstunden ableisten, weil sie die auferlegte Strafe nicht bezahlen können.

Es geht also um Menschen, die unser wirtschaftlicher Aufschwung nicht mitnehmen konnte: Langzeitarbeitslose, Ältere, wenig Qualifizierte und - was ich besonders beschämend finde - um alleinerziehende Mütter.

Wir müssen wieder versuchen, Menschen in unserer Mitte zu integrieren, die zeitweilig oder vielleicht sogar dauerhaft, einen „besonderen“ Arbeitsplatz benötigen. Menschen, denen wir mit Wertschätzung und Akzeptanz begegnen - denn davon bin ich aufgrund eigener Erfahrungen überzeugt - es geht um Selbstwert und Selbstachtung, Tagesstruktur und Gemeinschaft.

Es gäbe kein frisch zubereitetes Mittagessen, es gäbe keine Cafeteria, in der Menschen zu einem günstigen Preis Kuchen oder Eiskaffee genießen könnten, wenn nicht unsere Ehrenamtlichen da wären.

 

Wir entlohnen unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit einer Mehraufwandsentschädigung: kein Urlaubsanspruch, keine Fortzahlung im Krankheitsfall, und trotzdem bin ich froh, dass wir diese Möglichkeit heute noch haben. Ich bin mir bewusst, dass dies für die „eva“ eine schwierige Situation ist, weil es derzeit keine gesetzlichen Grundlagen für solche Beschäftigungsverhältnisse mehr gibt.

Ich möchte Ihnen/Euch trotzdem sagen: für unsere Beschäftigten bedeuten auch diese wenigen zusätzlichen Euros im Monat, sich etwas zu leisten, was im Hartz-VI-Satz nicht enthalten ist.
Lasst uns deshalb für die Erhaltung dieser Arbeitsplätze kämpfen, wo immer wir die Möglichkeit dafür sehen.

Ich erfahre jeden Tag wie wichtig diese Arbeit für jeden einzelnen ist und auch Menschen, die auf eine Beschäftigung nicht mehr zu hoffen wagten, sich einbringen und mit erhobenem Kopf nach Hause gehen können, weil sie für die Gäste der Oase einen wertvollen Beitrag geleistet haben.
Wir Hauptamtlichen sind uns dessen bewusst und richten deshalb auch den Fokus auf unsere „Leutle“. Wer kommt wie, oder auch nicht und warum? Was muss geregelt oder geklärt werden? Wie gelingt ein „normaler“ Tag in der Oase, wenn Kollegen oder Kolleginnen ausfallen oder „nicht auf der Höhe“ sind? Wenn bestimmte Lebensmittel fehlen? Wenn wir uns auch mal selbst an den Herd stellen müssen, um mittags 30 oder mehr Menschen satt zu kriegen?

Es ist jeden Tag eine besondere Herausforderung und lässt auch uns zufrieden nach Hause gehen, weil wieder ein Tag in der Oase gelungen ist, vielleicht ein neuer Gast den Weg zu uns gefunden hat, wir ein Problem mitlösen konnten und uns das Lachen der Gäste beim gemeinsamen Mittagessen noch in den Ohren klingt.
Wir bedanken uns ganz besonders bei unseren Ehrenamtlichen und freuen uns auf mehr!

Gina Kochendörfer-Peter

 

… Dagmar Ohage-Harchaoui

 Als Gemeindediakonin der Kirchengemeinde Himmelsleiter  möchte ich hinzufügen, dass es eine langjährige überaus gute Kooperation zwischen den KollegInnen der Oase (also der eva) und unserer Kirchengemeinde besteht. Ich möchte mit Hochachtung berichten, dass die KollegInnen der Oase eine riesige Arbeit in ihrem Oase-Alltag leisten. Nicht allein der Oase-Alltag mit seinem Essensangebot und dem Cafébetrieb wird geschultert, sondern auch Beratung in jedem Einzelfall, - oft ohne vorherige Anmeldung - weil es einen Menschen gibt, der mit seinen Problemen kommt.

Unsere Kooperation besteht in dem Oase Frühstück und dem caféle , welche abwechselnd alle 2 Monate stattfinden. Das caféle wird bei uns in Rot in unseren Gemeinderäumen durchgeführt. Beide Angebote werden sehr gerne und in großer Anzahl angenommen. Die Idee, sonntags ein Angebot zu machen für Menschen, die allein leben oder sich einsam fühlen, ist aufgegangen. Auch der monatliche Spieleabend bei uns in der Gemeinde gehört mit zum Angebot der Oase und unserer Gemeinde. Am 2. Mittwoch eines jeden Monats (außer in den Ferien) findet er abends in unseren Gemeinderäumen in Rot statt. An diesem Nachmittag gibt es in der Oase keinen Cafébetrieb.
Ich nehme 2 Mal wöchentlich am Essensangebot der Oase teil. Es wird jedes Mal frisch gekocht und schmeckt gut. Das ursprüngliche Konzept, jede/jeder darf zum Essen kommen, ob sie/er es finanziell „nötig “hat oder nicht, hat sich bewährt. Es besteht ein gutes Miteinander unter den Oase-Besuchern. Manche Besucher treffen und verabreden sich sogar darüber hinaus auch privat und unternehmen etwas gemeinsam. Soziale Kontakte werden (wieder) geknüpft und so ist eine Gemeinschaft entstanden.

Einmal im Jahr findet ein Ausflug in die Umgebung mit Oase Besuchern statt, wo wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in eine andere Stadt fahren, und dort auf Erkundung gehen durch eine Stadtführung, Besuchen von Museen etc. Dieser Ausflug wird seit Jahren dankenswerterweise von unserer Himmelsleiter Kirchengemeinde gesponsert. Es nehmen Menschen an diesem Ausflug teil, die sonst finanziell wie psychisch nicht mehr in der Lage sind, eine derartige Unternehmung zu machen.

Abschließend möchte ich betonen, dass für mich als Gemeindediakonin im Stadtteiltreff Oase genau die Dienste und die Arbeit an und mit dem Nächsten geleistet wird, wie es in unserer Bibel steht.

Dagmar Ohage-Harchaoui