„Gottes fröhlicher Partisan“ hat man ihn bezeichnet. So stand es auf einem Titelblatt des Spiegels. Als „Kirchenvater“ des 20. Jahrhunderts wurde er tituliert. Den „Seelsorger unterdrückter Völker und das Gewissen der Christenheit“ hat man in ihm gesehen. Als „geistiger Revolutionär“ wurde er charakterisiert. „Genosse Pfarrer“ wurde er genannt.  - Wer war Karl Barth?

„Blicke ich auf meinen Weg zurück, so komme ich mir vor wie einer, der, in einem dunklen Kirchturm sich treppaufwärts tastend, unvermutet statt des Geländers ein Seil ergriffen hat, das ein Glockenseil war, und nun zu seinem Schrecken hören musste, wie die Glocke über ihm soeben und nicht nur für ihn bemerkbar angeschlagen hatte.“  So beschreibt Karl Barth einmal seinen Werdegang vom Dorfpfarrer in Safenwil (Schweiz) zum weltbekannten Theologieprofessor.

Karl Barth wurde am 10. Mai 1886 in Basel geboren. Nach dem Theologiestudium und einer Tätigkeit als Redaktionsgehilfe bei einer christlichen Zeitschrift wird er Vikar und für anderthalb Jahre Hilfsgeistlicher in Genf (1909-1911). Er wird Pfarrer in der Arbeiter- und Bauerngemeinde Safenwil (1911-1921), das im schweizerischen Aargau liegt. Barth heiratet Nelly Hoffmann, in die er sich in seiner Genfer Zeit verliebte. Sie schenkt fünf Kindern das Leben. Aus der Nähe erlebt er die Nöte und Sorgen der Gemeindeglieder, die schwere Arbeit in zwei Textilfabriken und auf dem Bauernhof zu geringem Lohn leisten müssen. Um deren Arbeitsbedingungen zu verbessern, gründet er eine Gewerkschaft. Er setzt sich auch für seine Konfirmanden ein, indem er die Unterrichtszeit in die Arbeitszeit verlegt. Die Konflikte sind damit vorprogrammiert, die bis in den Kirchengemeinderat reichen.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges ist für ihn eine Tragödie. Er ist schockiert, dass seine theologischen Lehrer den Krieg verherrlichen, indem sie ihn als gottgewollt feiern. Barth kritisiert: Dieser Gott als „Schutzpatron unserer Moral, unseres Staates, unserer Kultur, unserer Religion ist kein Gott“, sondern „ein Götze“. Demgegenüber orientiert sich Barth noch intensiver am Gott der Bibel und an Jesus Christus. Im Gespräch mit seinem Freund Eduard Thurneysen wendet er sich intensiv dem Römerbrief des Paulus zu. Er veröffentlicht zwei Kommentare (1919/22). Er wird zum Theologieprofessor berufen, zunächst in Göttingen, dann in Münster und Bonn (1921-1935).

Er kämpft ab 1933 aktiv gegen die Deutschen Christen, die die Nazi-Ideologie in die Kirche einführen und verbreiten. In der Barmer Theologischen Erklärung von 1934, die er federführend gegen die Deutschen Christen formuliert, heißt es: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“ Das hat zur Folge, dass der Staat, der zur „totalen Ordnung des menschlichen Lebens“ führt, von den Christen abgelehnt werden muss. Die Nationalsozialisten vertreiben Barth und wird 1935 Professor in Basel.

Von Basel aus unterstützt er Freunde und Regimegegner sowie Flüchtlinge, auch ganz praktisch. Er begründet mit die geheime „Aktion Nationaler Widerstand“ in der Schweiz. In Vorlesungen trägt er die „Kirchliche Dogmatik“ vor, sein Hauptwerk, das in vielen Bänden ca 10.000 Seiten umfasst. Sie wird von Charlotte von Kirschbaum geschrieben, die er 1925 kennen und lieben lernte. Sie zieht in das Haus der Familie Barth ein. Gleich nach der Kapitulation ist er einer der ersten namhaften Ausländer, die Deutschland besuchen. Barth arbeitet in der ökumenischen Bewegung mit und ist vielfach gefragt als Vortragsreisender in ganz Europa und in den USA. Am 10. Dezember 1968 stirbt er in Basel. Im Zentrum seiner Theologie steht: „Gott für die Welt, Gott für den Menschen, der Himmel für die Erde“.

Es ist lohnend sich inhaltlich mit dem Reichtum seiner Theologie auseinanderzusetzen. In den Veranstaltungen im Rahmen der Wanderausstellung soll hiervon etwas deutlich werden.

Herzliche Einladung! Pfarrer Jörg-Michael Bohnet