Ade und Gott befohlen, liebe Himmelsleiter!

Abschied von Pfarrerin Barbara Reiner-Friedrich zum 01. September 2020
"Manche wissen es schon: Ich werde zum 1. September die Himmelsleiter verlassen. Meine Pfarrstelle Himmelsleiter Mitte fällt aufgrund der Vorgaben des Pfarrplans bis spätestens 2024 weg.

Da ich aber bis zu meinem Ruhestand noch ein paar Jahre mehr zu arbeiten habe, habe ich mich nach einer neuen Stelle umgesehen. Ich bin auf die Pfarrstelle Korb II im Kirchenbezirk Waiblingen gewählt worden. Ich freue mich darüber und bin gespannt auf die neue Gemeinde, in der ich wie hier meinen Schwerpunkt auf der Arbeit mit Kindern und Familien haben werde.

Aber der Abschied von der Himmelsleiter fällt mir schwer. In den vergangenen acht Jahren sind mir viele Menschen ans Herz gewachsen. Die Zusammenarbeit mit den Haupt- und Ehrenamtlichen war für mich schön und gewinnbringend und wird mir fehlen. Besonders viel Freude gemacht hat mir immer, mit anderen zusammen etwas zu entwickeln und gestalten: Mit dem Kinder- und Jugendausschuss ein Kinderfest planen, mit dem Konfi3-Team den Gottesdienst zur Tauferinnerung oder mit den Erzieherinnen einen Gottesdienst mit den Kindergartenkindern, um nur ein paar Beispiele zu nennen.  

Angefangen habe ich als Pfarrerin der Kirchengemeinde Freiberg, die kurz vor der Fusion mit Rot und Mönchfeld stand. Ein Schock war nach wenigen Wochen der Tod unseres Jugendreferenten Steffen Bauer, der die Gemeinde erschüttert hat. Zudem war zum Zeitpunkt der Fusion das geschäftsführende Pfarramt nicht besetzt. In der Zeit der Vakatur die Fusion umzusetzen, war für alle Beteiligten ein Kraftakt.

Aber so vieles hat auch Kraft geschenkt! Ich denke an die vielen Gottesdienste, die wir zusammen gefeiert haben, das Abendmahl an Tischen am Gründonnerstag, das Gemeindefrühstück am Ostersonntag und am 1. Advent, die Mitarbeiterfeste, das Weihnachtsmusical, den Posaunenchor, der neu entstanden ist und der mein eingerostetes Trompetenspiel wieder zum Leben erweckt hat … ich kann längst nicht alles aufzählen.

Das Zusammenwachsen zu einer Gemeinde war und ist ein spannender Prozess, den ich gerne mitgestaltet habe. Vieles galt es neu zu konzipieren und auszuprobieren wie den Gemeindebrief „Himmelsleiter“, unsere Homepage oder die gemeinsame Konfirmandenarbeit.

Mein tief empfundener Dank gilt allen Menschen in der Himmelsleiter, die mir mit viel Freundlichkeit begegnet sind und mit denen die Zusammenarbeit eine Freude war: meiner Kollegin Jutta Maier und meinen Kollegen Jörg-Michael Bohnet und Helmut Mayer, Jugendreferentin Carolin Gruner, Gemeindediakonin Dagmar Ohage-Harchaoui, den Gemeindesekretärinnen, den Mesnerinnen und Hausmeisterinnen, den Erzieherinnen und natürlich den vielen tollen Ehrenamtlichen, ohne die eine Gemeinde nicht existieren könnte: den Kirchengemeinderätinnen und Kirchengemeinderäten, den Mitarbeitenden in der Kinder- und Jugendarbeit und allen anderen, die unserer Gemeinde ein freundliches und einladendes Gesicht geben.

Und ich bitte alle um Verzeihung, denen ich etwas schuldig geblieben bin – auch das bleibt ja leider im Miteinander nicht aus.

Mein Abschied von der Himmelsleiter fällt in eine schwierige Zeit. Vieles können wir gerade nicht in der gewohnten Art und Weise begehen, auch nicht meine Verabschiedung. Mein letzter Gottesdienst in der Himmelsleiter wird am 23. August sein. Welche Möglichkeiten wir bis dahin haben werden, müssen wir einfach noch abwarten.

Ich verabschiede mich mit dem Schwäbischen Gruß Ade. Ade kommt von Adieu und bedeutet „zu Gott hin“, „Gott befohlen“. Wir leben auf Gott hin und von Gott her, auch in Corona-Zeiten, auch in den Wechselfällen unseres Lebens, auch bei Abschied und Neubeginn. Deshalb können wir unseren Weg zuversichtlich und ohne Angst gehen.

Das erleben wir auch in der Pfingstgeschichte. Die Freunde von Jesus haben sich in einem Haus in Jerusalem versammelt – oder soll man sagen verschanzt? Sie sind unsicher und wissen nicht, wie es weitergehen soll. Ihr Freund und Lehrer Jesus ist zwar von den Toten auferstanden. Aber jetzt ist er beim himmlischen Vater und sie sehen ihn nicht mehr. Wer kann ihnen jetzt von Gott erzählen, wen können sie fragen, wenn sie nicht weiterwissen, wer heilt die Mühseligen und Beladenen?

In dieser Ungewissheit machen sie eine unglaubliche Erfahrung! „Sie wurden alle erfüllt vom Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.“ (Apostelgeschichte 2,4). Alle Unsicherheit ist wie weggeblasen, sie trauen sich wieder was, sie erzählen von Jesus und dem, was sie mit ihm erlebt haben – und das sogar in Sprachen, die sie gar nicht beherrschen! Sie spüren, dass sie nicht allein sind, sondern beseelt und beflügelt vom Heiligen Geist, der sie mit Gott und mit Jesus verbindet und der sie in Kontakt kommen lässt mit Menschen, die ihnen fremd sind, mit denen bisher keine Kommunikation möglich war.

Gottes guter Geist gibt uns Rückenwind für unser Leben, auch und gerade in unsicheren Zeiten. Bleiben Sie Gott befohlen! Ade!

Ihre Pfarrerin Barbara Reiner-Friedrich"