Die kleine Himmelsleitergeschichte Sonderausgabe Pfingsten

© FOTO@weinfranz

Gibt es einen Ort, an dem Sie sich dem Himmel besonders nahe fühlen? Oder erlebten Sie schon mal ein Stück „Himmel auf Erden“? Kirchen, Berge, Pilgerziele oder Wallfahrtsorte können solche Orte sein. Mariazell ist der wichtigste und bekannteste Wallfahrtsort Österreichs. Damit die Wallfahrer sicher und unbeschwert dorthin gelangen können, wurde vor über 100 Jahren eine elektrische Schmalspurbahn von St. Pölten an der Donau bis zum tief in den Bergen liegenden Mariazell eröffnet. Nachdem die Züge in die Jahre gekommen sind und das Bähnle immer mehr an Attraktivität verloren hatte, wurden im Zuge einer Modernisierung neue komfortable Triebwagenzüge angeschafft, die den denkwürdigen Namen „Die Himmelstreppe“ erhalten haben. Vom Zug aus lässt sich ein herrliches Alpenpanorama erleben, als dessen markantester Punkt der 1893 m hohe Ötscher heraussticht. Ein steiler Pfad auf diesen Berg trägt den Namen „Himmelsleiter“. Es scheint so, dass für die Menschen dieser Gegend der Himmel eine besondere Bedeutung hat. Ist es die Sehnsucht, dem Himmel ein Stück näher kommen zu wollen?

Während die Besteigung der Himmelsleiter des Ötschers ein anspruchsvolles und schweißtreibendes Unterfangen ist, erweist sich eine Fahrt mit der „Himmelstreppe“ als ein bequemes und angenehmes Erlebnis. Verhält es sich bei unserer Suche nach Gott nicht ähnlich? Den einen fällt der Glaube leicht und ohne Hindernisse zu, und andere erleben ihren Glaubensweg eher als ein mühsames Treppensteigen oder sogar als einen Balanceakt auf einer wackeligen Leiter. So unterschiedlich wir Menschen sind, so verschiedenartig sind auch unsere Wege zu Gott. Doch eines gilt für alle gleichermaßen: Wir sind auf diesem Weg niemals allein; denn Jesus ist immer an unserer Seite. Er sagt: Niemand kommt zum Vater denn durch mich. Dann ist es auch unwesentlich, ob wir uns zu diesem einen Ziel hin auf einer Autobahn oder einer Holperpiste, einer Treppe oder auf einer Leiter befinden. Das Ziel ist immer dasselbe: Der Himmel oder, wie Jesus es nennt, das Reich Gottes.

Seien Sie immer behütet und gesegnet unterwegs,

Ihr Heiner Leiterle

Die kleine Himmelsleitergeschichte 2/2020

Wussten Sie, dass unser Kirchenbezirk Zuffenhausen seit vielen Jahren eine Partnerschaft mit zwei Gemeinden im Nahen Osten unterhält? Die eine Gemeinde befindet sich in Haifa (Israel) und die andere in Ramallah, dem Sitz der palästinensischen Autonomieverwaltung. Ramallah war einst fast nur von arabischen Christen bewohnt, von denen sich etliche zur St. Andrew´s Episcopal-Church zählen. In dieser unserer Partnerkirche entdeckte eine Leserin unseres Gemeindebriefes ein buntes Glasfenster mit einer Himmelsleiter. Nicht weit von Ramallah entfernt liegt Bethel, der Ort, an dem Jakob seinen Traum von der Himmelsleiter hatte. Gerade in dieser Gegend träumen die Menschen von besseren Zeiten. Nach einer Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage, nach mehr Freizügigkeit und nach einer sorgloseren Religionsausübung sehnt sich die christliche Minderheit im Heiligen Land.

In der Weltpolitik wird oft und gern über Konfliktlösungen und dauerhaftem Frieden debattiert; doch ein Patentrezept hat noch niemand gefunden. Ausgerechnet im Land, in dem Jakob seinen Himmelsleitertraum hatte und aus dem der weise König Salomo und nicht zuletzt der Messias und Gottessohn Jesus stammten, gestaltet sich das Zusammenleben der Menschen so schwierig. Hat Gott seinen Segen diesem Landstrich entzogen? Gewiss nicht! Auch wenn die Medien fast ausschließlich nur von Anschlägen, gewalttätigen Übergriffen oder brennenden Autoreifen berichten, so hören wir nur selten von den vielen kleinen friedenstiftenden Aktionen, den persönlichen Begegnungen und Freundschaften sowie von selbstlosen humanitären Ereignissen zwischen den Bevölkerungsgruppen und Religionen, die es - Gott sei gedankt – auch gibt.

So wie Gott auf dich und mich achtet und seinen Segen uns schenkt, so wirbt er auch dort, wo Hass und Unfriede herrschen, auf IHN zu schauen und IHM zu vertrauen. Die Himmelsleiter kann uns dabei eine Hilfe für unseren Blick nach oben sein. Wer aus seinen eigenen menschlichen Niederungen auf Jesus schaut, wird etwas von Gottes Größe, Liebe und Wirken spüren. Dort, wo Menschen nicht mehr weiter wissen, ist bei IHM noch alles möglich. Aber beten können wir, auch für die Menschen im Himmelsleiter-Land.

Ihr Heiner Leiterle

Die kleine Himmelsleitergeschichte 1/2020

„Ich heiße Jakob, wie der mit der Himmelsleiter“, war die Antwort des siebenjährigen Jakobs aus Weimar an die 14-jährige Ida, als sich beide damals im Jahr 1814 auf der Suche nach etwas Essbarem trafen. Jakobs ledige Mutter und auch die Großeltern waren gestorben; aber seinen französischen Vater, der mit
den Truppen Napoleons nach Weimar gekommen war, musste es wohl noch geben! Die Mutter wusste, dass er zurückkommen und sie heiraten würde. Eine Bibel, die Jakob wie einen Schatz hütete, hatte sie ihm hinterlassen und an der Stelle mit der Geschichte von Jakob und der Himmelsleiter einen Brief für ihn hineingelegt. Ja, die Himmelsleiter wollte er finden und lesen und schreiben wollte er lernen. Wie viele andere Waisen- und Straßenkinder fand Jakob Aufnahme im Haus vom „Guten Herrn Rat“, dem Legationsrat Johannes Falk und seiner Ehefrau Caroline, die segensreich in und um Weimar wirkten. Hier konnte Jakob die Schule besuchen und sogar Französisch lernen.

Eine andere Geschichte aus dem Hause Falk erzählt von einem Pflegekind mit italienischen Wurzeln, das einmal ein altes sizilianisches Marienlied vor sich hin summte. Davon war Vater Falk, wie er von den Kindern genannt wurde, so angetan, dass er dazu ein Dreifeiertagslied dichtete. „O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit …“ sang die große Kinderschar erstmals zu Weihnachten 1815 im Falk’schen Haus. Bei „Welt ging verloren, Christ ist geboren…“ spürte Jakob, dass auch er verloren war und jetzt wieder ein Zuhause bekommen hatte. Sicherlich wird er noch die Himmelsleiter und vielleicht auch seinen Vater finden.

Rettung aus dem Verlorensein, Versöhnung mit Gott und Menschen sowie Gotteslob mit Stimmen aus himmlischen und irdischen Chören sind die Botschaften aus diesem Lied, das wir wieder an Weihnachten voll Freude singen werden. Wie wichtig diese Botschaften doch sind!

Die ganze Geschichte von „Jakob sucht die Himmelsleiter“ steht im gleichnamigen Buch von Dietlind Steinhöfel, das im Wartburg Verlag Weimar erschienen ist und sich für ein schönes und sinnvolles Weihnachtsgeschenk bestens eignet.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen

Ihr Heiner Leiterle