Die kleine Himmelsleitergeschichte 6/2019

An einer breiten Allee in Berlin-Zehlendorf fällt ein kleines unscheinbares Ladengeschäft kaum auf. Weder eine Leuchtschrift noch ein auffälliges Logo weisen darauf hin, um was für ein Geschäft es sich handelt. Lediglich auf der Glasscheibe der Ladentür steht das Wort „Himmelsleiter“ und darunter ist eine Telefonnummer angegeben. Ein Blick durch das Fenster zeigt ein freundlich eingerichtetes Büro mit einem Blumenstrauß und einem Visitenkartenständer auf dem Schreibtisch. Das Internet verrät, dass sich hinter dieser Himmelsleiter ein Bestattungsinstitut verbirgt, dessen Besitzer auch als freier Beerdigungsredner seine Dienste anbietet. „… das Unfassbare begreifen“ lautet der Slogan dieses Unternehmens.

Im Herbst jeden Jahres neigt sich auch unser Kirchenjahr mit dem Ewigkeitssonntag als seinem letzten Tag dem Ende zu. In dieser Zeit gedenken wir unserer Verstorbenen und werden auch durch Wochensprüche, Predigttexte und Lieder verstärkt auf die Endlichkeit unseres irdischen Lebens und an die Unendlichkeit des ewigen Lebens erinnert. Dass wir alle einmal von dieser Erde gehen müssen, ist uns allen klar. Doch wenn dann der Platz eines geliebten und vertrauten Menschen leer bleibt, erscheint diese neue Situation kaum fassbar und begreifbar, und das trifft besonders dann zu, wenn wir mit einem plötzlichen Tod überhaupt nicht gerechnet haben. „HERR, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“ lautet ein 3000 Jahre altes Psalmwort. Und Jesus verspricht denjenigen, die glauben, das ewige Leben im Reich Gottes. Wenn wir das glauben, dann haben wir den Schlüssel zum Begreifen und die Gewissheit, dass wir nicht in unfassbare Tiefen fallen werden, sondern von Gott getragen und in IHM geborgen sind. Dazu fällt mir folgendes schönes und tröstendes Wort ein: „Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.“

 

Ihr Heiner Leiterle

Die kleine Himmelsleitergeschichte 5/2019

© Bild: Herder Verlag, Freiburg i.Br.

Es ist schon erstaunlich, wo sich überall Himmelsleitern finden lassen. Auch im Bereich von Musik und Lyrik bin ich fündig geworden. Von Birgit Kley, einer deutschen Chanson-Sängerin und Verfasserin von Liedern und Geschichten, erschienen Geschichte und CD mit dem Titel „Die Himmelsleiter - Lieder und Meditationen zu einem Traum“. Die Uraufführung fand auf dem Evangelischen Kirchentag 2001 statt. Mehrfach trat Birgit Kley mit ihrer Lyrik und ihren zarten und doch aussagekräftigen Liedern als Künstlerin auf Kirchentagen auf. Leben und Person des biblischen Jakobs faszinierten sie sehr, sodass sie zusammen mit Jonathan Schaffner und George Bizet 12 Lieder zu dieser uralten Geschichte komponierte und dichtete. Jakob war nicht nur ein Träumer, sondern auch ein bodenständiger Mensch. Schuld und Fehler, Aufbruch und Durchhaltevermögen prägten sein Leben. Ausgerechnet er war von Gott mit dem berühmtesten Traum der Menschheit beschenkt worden; nämlich mit dem Traum von der Himmelsleiter. Doch das Erstaunlichste daran ist, dass Gott seinen Segen dem schuldig gewordenen Jakob nicht versagte. Birgit Kley singt davon, wie Träumen und Segen Wunderbares auch bei jedem von uns bewirken können. Die Übertragung von Jakobs Traum in unsere heutige Zeit ist ihr wunderbar gelungen.

Ihre Musik und ihre Texte werden viele Menschen in ihrem Inneren bewegt haben. Daraus können Glauben und Gottvertrauen entstehen. Die Musik spielt in unserer Kirche eine wichtige Rolle. Nicht wenige Menschen haben durch sie ihren eigenen Zugang zu Gott gefunden. Auch dieses musikalische Bild von der Himmelsleiter ist Einladung und Herausforderung zugleich, um mutig den ersten Schritt auf die eigene Himmelsleiter zu wagen. Dabei dürfen wir Schuld und Versagen, Bitterkeit und Leid und alles, was uns beschwert Gott hinlegen. Wenn wir mit unseren Träumen zu ihm kommen, wird ER daraus Gutes und Segensreiches schaffen. Oftmals sieht das dann anders aus, als wir uns es vorgestellt haben. Doch wenn wir offen für Gottes Handeln sind, kann es auch heute noch Wunder geben; denn Gott meint es gut mit jedem Menschen.

Ihr Heiner Leiterle

Die kleine Himmelsleitergeschichte 4/2019

Ein beliebtes und lohnenswertes Ausflugsziel in die Natur ist Wüstenrot mitten im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer-Wald. Dort finden sich im Wald einige Kuriositäten. Um den „Silberstollen“ ranken sich Geschichten von der Gier nach Gold und Silber, nach Enttäuschung und bösem Ende. Im Jahr 1772 wurden auf Betreiben des Bergrats Riedel Geldgeber gesucht und die beiden Stollen mit den Namen "Unverhofftes Glück" (127,6 m) und "Soldatenglück" (34,85 m) in den Berg getrieben. Als das große Glück ausblieb, fand die Ära von Bergrat Riedel in seiner Festnahme und Verurteilung ein unrühmliches Ende. Aus Sicherheitsgründen sind die Stollen nicht begehbar. Etwa 100 Jahre später kaufte der württembergische König für die Wilhelma Mammutbaumsamen in Amerika. Überschüssige Setzlinge führten auch zu Anpflanzungen im Wald bei Wüstenrot. Diese exotischen Bäume lassen sich am „Wellingtonienplatz“ bewundern.

Viel jünger dagegen ist die Wüstenroter Himmelsleiter. Aus einem schräg liegenden Stamm einer Douglasie wurden 66 Stufen zu einer steilen Leiter herausgearbeitet. Die beidseitigen Geländer erlauben ein sicheres Besteigen, sodass der gesamte Rundwanderweg zu einer interessanten und ungefährlichen und auch Glück verheißenden Entdeckertour wird.

Die UN haben den 20. März zum Weltglückstag erklärt. Glück gehabt, sagen wir zuweilen und manchmal können wir unser Glück kaum fassen. Glück wünschen wir anderen Menschen zu allen möglichen Anlässen und Glücksritter nennen wir Leute, die unter großem Einsatz und Entbehrungen unbedingt reich werden wollen. Interessant ist, dass in der Bibel das Wort Glück kaum vorkommt. Glück finden wir in der Bibel als Verheißung für den, der sich an Gottes gute Ordnungen hält, so wie es der weise König Salomon formuliert hatte: „Wer auf das Wort des Herrn achtet, findet Glück; wohl dem, der auf ihn vertraut.“

Gott will, dass wir glücklich oder selig sind und nicht dass wir einfach nur Glück oder Dusel haben. Ein glückliches Leben ist ein großes Geschenk Gottes so wie eine sichere Himmelsleiter zwischen IHM und uns.

Ihr Heiner Leiterle

Die kleine Himmelsleitergeschichte 3/2019

Die Himmelsleiter- Sehnsucht nach morgen“ lautete der Titel eines zweiteiligen Spielfilms, der im  Februar 2015 von der ARD ausgestrahlt wurde. Die Handlung hatte das Chaos der Nachkriegsjahre zwischen 1945 und 1947 zum Inhalt und befasste sich mit dem Überlebenskampf der Menschen in Köln. Das Geld war nichts mehr wert, die Versorgungslage miserabel, die Stadt zerbombt und zu allem Übel hin trafen Opfer und Täter, Verlierer und Kriegsgewinnler aufeinander. Der damalige Kölner Kardinal Frings meinte, dass in solchen Notzeiten Überlebenstechniken wie Stehlen, Schwarzhandel und Hamstern erlaubt sein müssten. „Fringsen“ nannte man dieses über-die-Runden-zu-kommen. Auch der Warenschmuggel über verminte Waldwege ins nahe liegende Belgien erwies sich als eine Einkommensquelle. Himmelsleiter nannten die Schmuggler diesen Teil ihrer Route. Ob sich jene dabei wie auf einem Himmelfahrtskommando fühlten oder bescherte der Erfolg einer solchen Tour vielleicht sogar himmlische Glückgefühle?

Chaotische Zustände durch Naturkatastrophen, Kriege oder dem Verfall staatlicher Ordnung bringen uns die Medien ins Wohnzimmer. Da sollten wir dankbar sein, wie gut es uns geht, wie ordentlich alles bei uns organisiert ist und wie sicher wir leben. Natürlich gibt es auch bei uns Missstände und soziale Schieflagen. Doch diese stehen in keinem Verhältnis zu dem, was vielerorts auf der Welt Menschen zu erleiden haben. Auch wenn ich der Meinung bin, dass vieles in meinem Leben überhaupt nicht himmlisch ist, so ist es gut zu wissen, dass derjenige, der Himmel und Erde, dich und mich geschaffen hat, keinen Menschen und auch mich niemals vergisst und mich mehr liebt, als je ein Mensch lieben kann. Sich mit allem an unseren Herrn und Heiland zu wenden, ist die beste Überlebensstrategie. Der Weg zu ihm ist nicht vermint und ebenso wenig illegal. Im Gegenteil: Diese Himmelsleiter steht mir offen und sie wird auch meine Sehnsucht stillen. Herzliche Grüße,

Ihr Heiner Leiterle

Die kleine Himmelsleitergeschichte 2/2019

Mitten in Griechenland erheben sich mächtige Sandsteinfelsen mit hohen und steilen Wänden. In luftiger Höhe oben auf diesen Felsen haben ab dem 11. Jh. Mönche 24 Klöster und Einsiedeleien erbaut. Von diesen Meteora-Klöstern werden heute noch 6 bewohnt. Im Kloster Agios Stephanos leben Nonnen, von denen eine streng darauf achtet, dass in ihrer alten und mit Ikonen und Wandmalereien ausgeschmückten Kirche kein Tourist sein Handy oder seinen Fotoapparat zückt. Das fiel mir natürlich besonders schwer, nachdem ich eine Ikone mit einer Himmelsleiter entdeckt hatte. Sofort habe ich mir diese für eine neue Geschichte auserkoren. Ob ich in einem günstigen Moment schnell ein Bild schießen soll? Eigentlich würde ich damit niemandem schaden oder etwas wegnehmen. Aber da meldete sich mein Gewissen: „Willst du wirklich mit einem unrechtmäßig gemachten Bild zum Lobe Gottes eine Geschichte schreiben und verbreiten?“ Stimmt, das wäre nicht in Ordnung! Der Zweck heiligt nicht die Mittel. So nahm ich allen meinen Mut zusammen und erklärte der Nonne in meinem dürftigen Englisch, dass meine Kirche diesen Namen hätte, und bat sie, ausnahmsweise ein einziges Bild machen zu dürfen. Sie meinte nur „after“. Also nachher, verstand ich, wenn die Kirche leerer geworden ist. Dann gab sie mir einen Wink und so entstand dieses Bild.

„Das ist doch nicht so schlimm“, „ich habe doch niemanden geschädigt“, „der oder die wird das schon verkraften“, „diese Regel ist doch unsinnig“! So oder ähnlich versuchen wir oftmals, unser eigenes Tun zu rechtfertigen, wenn wir uns nicht richtig verhalten oder uns über Regeln hinwegsetzen. Meine Freiheit hört bekanntlich da auf, wo ich die Rechte und Belange anderer missachte. Oft merken wir zu spät, dass wir die Gefühle anderer „mit Füßen getreten“ und Menschen in ihrem Innersten verletzt haben. Dann ist es gut, wenn mich mein Gewissen plagt. Noch besser ist es, dass ich mein schlechtes Gewissen Gott hinlegen kann und ihn um Vergebung bitten darf. Und das Beste kommt zum Schluss: Gott schenkt mir Vergebung. Er richtet mich wieder auf, steht mir bei, wenn ich andere um Vergebung bitte, und er hilft auch mir zu vergeben, wenn ich verletzt worden bin.

Ihr Heiner Leiterle

Die kleine Himmelsleitergeschichte 1/2019

Gehören zur romantischen Weihnacht nicht ein richtiger Winter mit einer verschneiten Landschaft, mit Eiszapfen und klirrender Kälte? Doch meistens macht sich solches bei uns rar. Für ein richtiges Wintererlebnis und auch für den Wintersport müssen wir höhere Lagen aufsuchen. Ein solcher Ort ist der höchste Berg Sachsens, der 1215 Meter hohe Fichtelberg im Erzgebirge. Der Wind pfeift dort oben mächtig um die Ohren, Eiskristalle brennen auf der Haut und der Schnee haftet wie Wetterfahnen an den Bäumen. Ski und Rodeln gut, heißt es hier; denn der Fichtelberg ist ein ausgeprägtes Wintersportgebiet. Wanderer und Wintersportler kehren dabei gerne im SB-Bergrestaurant Himmelsleiter ein, um sich zu stärken und um dem eisigen Wind eine Weile zu entgehen. Vielleicht meinte der Wirt, dass sich bei ihm seine Gäste wie im Himmel fühlen könnten, zumal sie dort oben dem Himmel ja ein Stück näher seien.Auch wir möchten uns in der Advents- und Weihnachtszeit ein Stück Himmel in unser Leben holen. Lichterketten, bunte Sterne, Engel und Weihnachtsbäume sollen uns eine heimelige und besinnliche Zeit bescheren. Gerade im Erzgebirge leuchten allenthalben in den Fenstern die Lichter der Schwibbögen, die Räuchermännchen verbreiten ihren Duft und beschaulich drehen sich die Weihnachtspyramiden. Doch das ist nicht alles, was wir uns wünschen. Vor allem sehnen wir uns in dieser Zeit nach Frieden und Menschlichkeit. Ernüchternd stellen wir fest, dass diese Wünsche und Absichten schnell wieder vom rauen Alltag überschattet werden. „Friede auf Erden“ sangen damals vor über 2000 Jahren die Engel in der Nacht, in der Jesus geboren wurde. Und diese Botschaft gilt auch heute noch. Sie hat nichts an Aktualität verloren. Jesus hat den Himmel verlassen und ist auf diese Welt gekommen, damit wir an seinem Friedensreich schon heute teilhaben können; denn ER ist der Friedefürst. Eine besinnliche, gesegnete und friedvolle Zeit wünscht Ihnen

Ihr Heiner Leiterle