Die kleine Himmelsleitergeschichte 2/2019

Mitten in Griechenland erheben sich mächtige Sandsteinfelsen mit hohen und steilen Wänden. In luftiger Höhe oben auf diesen Felsen haben ab dem 11. Jh. Mönche 24 Klöster und Einsiedeleien erbaut. Von diesen Meteora-Klöstern werden heute noch 6 bewohnt. Im Kloster Agios Stephanos leben Nonnen, von denen eine streng darauf achtet, dass in ihrer alten und mit Ikonen und Wandmalereien ausgeschmückten Kirche kein Tourist sein Handy oder seinen Fotoapparat zückt. Das fiel mir natürlich besonders schwer, nachdem ich eine Ikone mit einer Himmelsleiter entdeckt hatte. Sofort habe ich mir diese für eine neue Geschichte auserkoren. Ob ich in einem günstigen Moment schnell ein Bild schießen soll? Eigentlich würde ich damit niemandem schaden oder etwas wegnehmen. Aber da meldete sich mein Gewissen: „Willst du wirklich mit einem unrechtmäßig gemachten Bild zum Lobe Gottes eine Geschichte schreiben und verbreiten?“ Stimmt, das wäre nicht in Ordnung! Der Zweck heiligt nicht die Mittel. So nahm ich allen meinen Mut zusammen und erklärte der Nonne in meinem dürftigen Englisch, dass meine Kirche diesen Namen hätte, und bat sie, ausnahmsweise ein einziges Bild machen zu dürfen. Sie meinte nur „after“. Also nachher, verstand ich, wenn die Kirche leerer geworden ist. Dann gab sie mir einen Wink und so entstand dieses Bild.

„Das ist doch nicht so schlimm“, „ich habe doch niemanden geschädigt“, „der oder die wird das schon verkraften“, „diese Regel ist doch unsinnig“! So oder ähnlich versuchen wir oftmals, unser eigenes Tun zu rechtfertigen, wenn wir uns nicht richtig verhalten oder uns über Regeln hinwegsetzen. Meine Freiheit hört bekanntlich da auf, wo ich die Rechte und Belange anderer missachte. Oft merken wir zu spät, dass wir die Gefühle anderer „mit Füßen getreten“ und Menschen in ihrem Innersten verletzt haben. Dann ist es gut, wenn mich mein Gewissen plagt. Noch besser ist es, dass ich mein schlechtes Gewissen Gott hinlegen kann und ihn um Vergebung bitten darf. Und das Beste kommt zum Schluss: Gott schenkt mir Vergebung. Er richtet mich wieder auf, steht mir bei, wenn ich andere um Vergebung bitte, und er hilft auch mir zu vergeben, wenn ich verletzt worden bin.

Ihr Heiner Leiterle

Die kleine Himmelsleitergeschichte 1/2019

Gehören zur romantischen Weihnacht nicht ein richtiger Winter mit einer verschneiten Landschaft, mit Eiszapfen und klirrender Kälte? Doch meistens macht sich solches bei uns rar. Für ein richtiges Wintererlebnis und auch für den Wintersport müssen wir höhere Lagen aufsuchen. Ein solcher Ort ist der höchste Berg Sachsens, der 1215 Meter hohe Fichtelberg im Erzgebirge. Der Wind pfeift dort oben mächtig um die Ohren, Eiskristalle brennen auf der Haut und der Schnee haftet wie Wetterfahnen an den Bäumen. Ski und Rodeln gut, heißt es hier; denn der Fichtelberg ist ein ausgeprägtes Wintersportgebiet. Wanderer und Wintersportler kehren dabei gerne im SB-Bergrestaurant Himmelsleiter ein, um sich zu stärken und um dem eisigen Wind eine Weile zu entgehen. Vielleicht meinte der Wirt, dass sich bei ihm seine Gäste wie im Himmel fühlen könnten, zumal sie dort oben dem Himmel ja ein Stück näher seien.Auch wir möchten uns in der Advents- und Weihnachtszeit ein Stück Himmel in unser Leben holen. Lichterketten, bunte Sterne, Engel und Weihnachtsbäume sollen uns eine heimelige und besinnliche Zeit bescheren. Gerade im Erzgebirge leuchten allenthalben in den Fenstern die Lichter der Schwibbögen, die Räuchermännchen verbreiten ihren Duft und beschaulich drehen sich die Weihnachtspyramiden. Doch das ist nicht alles, was wir uns wünschen. Vor allem sehnen wir uns in dieser Zeit nach Frieden und Menschlichkeit. Ernüchternd stellen wir fest, dass diese Wünsche und Absichten schnell wieder vom rauen Alltag überschattet werden. „Friede auf Erden“ sangen damals vor über 2000 Jahren die Engel in der Nacht, in der Jesus geboren wurde. Und diese Botschaft gilt auch heute noch. Sie hat nichts an Aktualität verloren. Jesus hat den Himmel verlassen und ist auf diese Welt gekommen, damit wir an seinem Friedensreich schon heute teilhaben können; denn ER ist der Friedefürst. Eine besinnliche, gesegnete und friedvolle Zeit wünscht Ihnen

Ihr Heiner Leiterle