Die kleine Himmelsleitergeschichte 3/2018

Zum Aufsuchen einer neuen Himmelsleiter unternahm ich vor einem Jahr auf meiner Rückreise aus Österreich einen Abstecher in den Bayerischen Wald. Die Himmelsleiter des 1373 m hohen Lusen war mein Ziel. Der Wanderweg führte bei trübem nasskaltem Wetter über Schneematsch und einen aufgeweichten Wanderweg durch einen geradezu gespenstigen Wald. Überall standen die grauen Stämme abgestorbener Fichten. Die letzten 150 Höhenmeter ging es über grobe Stufen aus unbehauenen Granitblöcken die Himmelsleiter steil bergauf direkt auf das Gipfelkreuz zu. Die großartige Aussicht bis weit hinein nach Bayern und Tschechien zeigte jedoch das ganze Ausmaß eines riesigen Waldsterbens, das in 1995 der Borkenkäfer verursacht hatte. Doch die Nationalparkverwaltung griff nicht ein, weil sich die Vegetation selbst erholen sollte. Und wirklich, überall zwischen dem toten Holz sprießt das frische Grün neuer Nadelbäumen hervor.
Da fiel mir unwillkürlich das Bibelwort aus Johannes 12 Vers 24 vom ersterbenden Weizenkorn ein, ohne das es kein neues Wachstum gibt. Möchten wir nicht allzu gerne Liebgewordenes festhalten und möglichst nichts verlieren und stehen uns dabei zuweilen nur selbst im Wege? Loszulassen, damit Neues entstehen und wachsen kann, ist gar nicht so leicht. Auch unser Glaube wird auf die Probe gestellt, wenn es angesagt ist, alte Gewohnheiten abzulegen, anderen zu verzeihen oder den ersten Schritt zu einer Annäherung zu wagen. Jesus zeigt uns den Weg dazu auf und geht uns voran. Mit ihm an unserer Seite wird neues frisches Grün unseren Lebensweg säumen und unsere Seele wird Wohltuendes empfangen. Erfreuen Sie sich in diesem Frühling wieder an den Blumen und dem Grünen der Bäume und danken Sie Gott für alle diese Schönheiten der Natur.

Ihr Heiner Leiterle

Die kleine Himmelsleitergeschichte 2/2018

"Ich wüsste dir eine kleine Himmelsleitergeschichte", überraschte mich freudig meine Frau und gab mir einen Artikel über ein szenisches Oratorium mit dem Titel "Die Himmelsleiter" zulesen. "Und die Eintrittskarten übernehme ich", fügte sie noch hinzu.
Letztes Jahr am Reformationstag fand die Aufführung im Wilhelma-Theater statt. Hans-Christian Hauser aus Isny im Allgäu,der an der Hochschule für Musik und Theater in München lehrt, komponierte, inszenierte und dirigierte dieses Bühnenstück anlässlich des 29. Isny Opernfestivals. In 13 Szenen stellte er Texten von Franz Kafka 11 Bibelstellen sowie 2 Textstellen aus islamischen Büchern gegenüber. Bei Kafka, so der Künstler, erscheint alles menschliche Bemühen als aussichtslos, verstrickt, verhangen und verrätselt. In der Bibel hingegen wird den Menschen Gnade geschenkt, die wie Sonnenstrahlen einen wolkenverhangenen Himmel durchbricht. Die Gnade Gottes als eine derThesen Martin Luthers passte zum Reformationsjubiläum. Die Szenen begannen mit eher distanzierten Gottesbegegnungen,die dann später von immer mehr Nähe handelten und mit der Vision der Himmelsleiter ihren krönenden Abschluss fanden. Dazu sollte mit der eigenartigen Musik der Zauber der unvermittelten Gottesbegegnung zum Ausdruck gebracht werden. Es warfür mich nicht immer leicht, die Verbindungen zwischen Kafka-Texten, Bibelworten und Szenenüberschriften einerseits und den Choreografien und den Tönen andererseits nachzuvollziehen.
Kunst kann auch mal ziemlich kompliziert erscheinen, weil sich uns nicht alles sofort erschließen will. Aber Gnade wird uns zuteil, wenn wir es gar nicht erwarten. Gnade können wir nicht kaufen oder uns selbst schaffen; denn sie ist ein unverhofftes Geschenk Gottes. Wir dürfen darum beten und darauf hoffen. Spektakuläre Gottesbegegnungen werden den wenigsten Menschen geschenkt; aber durch meine eigene Gottesbeziehung erfahre ich die Gnade Gottes. Durchs Gebet erlebe und pflege ich meine Beziehung zu Gott. Das ist meine eigene Himmelsleiter, die bis ins ewige Leben reicht und zur Begegnung mit Gott führt. Kompliziert oder doch ganz einfach?

Ihr Heiner Leiterle

Die kleine Himmelsleitergeschichte 1/2018

„Aufstiege“ lautete das Thema beim Lichtkunstfestival der KulturRegion Stuttgart im Herbst 2016. Eine der Installationen, die nach Einbruch der Dunkelheit leuchteten, trug den Namen „Himmelsleiter“ und stand auf der Aussichtsplattform im Stuttgarter Weißenburgpark. Der Künstler Kurt Laurenz Theinerts aus unserer Stadt schuf eine etwa 8 m hohe Leiter mit abwechselnd blinkenden Sprossen. Dem Beobachter bot sich ein scheinbar chaotisch bewegter Zustand, der die eigenen Sinne an ihre Grenzen geraten ließ. Und am Ende der Leiter scheint es nicht mehr weiterzugehen. Wirkliches Aufsteigen, so der Künstler, sei nur dem möglich, der sich der Sphäre des Transzendentalen öffnet.
Die vor uns liegende Zeit ist geprägt durch die vielen Kerzen, Lichterketten und Weihnachtsbäume, die uns die Advents- und Weihnachtszeit verschönern sollen. Sehnen wir uns in der kalten und dunkeln Jahreszeit nicht regelrecht nach Licht und Wärme? Eine heimelige Atmosphäre und stimmungsvolle Melodien wirken wohltuend für Herz und Gemüt. Auch unsere Gottesdienste strahlen eine besondere Feierlichkeit aus. Doch was kommt danach? Was kommt nach der letzten Leuchtsprosse jener Himmelsleiter? Auch wenn im Januar die Krippen, Engel und Sterne wieder abgebaut und eingelagert sind, lohnt es sich, den Blick auf das Weihnachtsgeschehen, als Gott im Stall von Bethlehem Mensch wurde, im Gedächtnis zu behalten. So endet auch unsere Verbindung zu Gott nicht auf der letzten Leitersprosse und Gottes Nähe hört auch nicht mit dem Verschwinden des letzten Christbaumes auf. Schauen wir nach oben, so wie es im Hebräerbrief heißt: „Aufblicken auf Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens“. Wer IHM sein Herz öffnet, dem ist eine Beziehungzu Gott auch jenseits von Leiterende und Weihnachten geschenkt. Es lohnt sich.
Ich wünsche Ihnen beglückende Momente und gesegnete Stunden in der Advents- und Weihnachtszeit.

Ihr Heiner Leiterle