Die kleine Himmelsleitergeschichte

Zum Aufsuchen einer neuen Himmelsleiter unternahm ich vor einem Jahr auf meiner Rückreise aus Österreich einen Abstecher in den Bayerischen Wald. Die Himmelsleiter des 1373 m hohen Lusen war mein Ziel. Der Wanderweg führte bei trübem nasskaltem Wetter über Schneematsch und einen aufgeweichten Wanderweg durch einen geradezu gespenstigen Wald. Überall standen die grauen Stämme abgestorbener Fichten. Die letzten 150 Höhenmeter ging es über grobe Stufen aus unbehauenen Granitblöcken die Himmelsleiter steil bergauf direkt auf das Gipfelkreuz zu. Die großartige Aussicht bis weit hinein nach Bayern und Tschechien zeigte jedoch das ganze Ausmaß eines riesigen Waldsterbens, das in 1995 der Borkenkäfer verursacht hatte. Doch die Nationalparkverwaltung griff nicht ein, weil sich die Vegetation selbst erholen sollte. Und wirklich, überall zwischen dem toten Holz sprießt das frische Grün neuer Nadelbäumen hervor.
Da fiel mir unwillkürlich das Bibelwort aus Johannes 12 Vers 24 vom ersterbenden Weizenkorn ein, ohne das es kein neues Wachstum gibt. Möchten wir nicht allzu gerne Liebgewordenes festhalten und möglichst nichts verlieren und stehen uns dabei zuweilen nur selbst im Wege? Loszulassen, damit Neues entstehen und wachsen kann, ist gar nicht so leicht. Auch unser Glaube wird auf die Probe gestellt, wenn es angesagt ist, alte Gewohnheiten abzulegen, anderen zu verzeihen oder den ersten Schritt zu einer Annäherung zu wagen. Jesus zeigt uns den Weg dazu auf und geht uns voran. Mit ihm an unserer Seite wird neues frisches Grün unseren Lebensweg säumen und unsere Seele wird Wohltuendes empfangen. Erfreuen Sie sich in diesem Frühling wieder an den Blumen und dem Grünen der Bäume und danken Sie Gott für alle diese Schönheiten der Natur.

Ihr Heiner Leiterle