Die kleine Himmelsleitergeschichte

Die heutige Geschichte geht zurück auf die schwere Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als es allenthalben an dem Notwendigsten fehlte. Kinderbücher für die abendliche Gute-Nacht-Geschichte waren Mangelware. Aus dieser Not heraus sagte sich Ruth Jäckel: „Wenn es schon keine Kinderbücher gibt, dann schreibe ich selbst eines und male auch die Bilder dazu.“ Ihr kam die Idee zu einem Märchen mit dem Titel die Himmelsleiter.
Die kleine Monika wollte unbedingt wissen, wie es oben im Himmel bei den großen Wolken, der Sonne, dem Mond und den vielen Sternlein wohl aussehen würde. Und tatsächlich: Als sie abends in ihrem Bettlein lag und mit sehnsüchtigem Blick zum Fenster hinaus in den Himmel schaute, erblickte sie eine große goldene Leiter, die vom Himmel bis vor ihr Fenster herunter reichte. Sie nahm ihre Puppe in den Arm und stieg hinauf, bis ein Sternenkind sie an die Hand nahm und durch den ganzen Himmel führte. Nachdem sie sogar einen Blick in das Innerste mit der glanzvollen Helle werfen durfte, stand sie ganz allein frierend und ängstlich auf der Leiter. Gerade wollte sie Mutti rufen; aber da lag sie wieder in ihrem Bettchen und gewahrte noch, wie der Mond seine Laterne schwang und sich mit einem Lächeln von ihr verabschiedete.
Möchten wir nicht auch gerne wissen, wie es im Himmel aussieht und was uns dort erwarten wird? Wir Christen glauben an ein Leben nach dem Tod, das uns Jesus versprochen hat. Wenn wir uns ihm anvertrauen, wird er uns durch Gottes Gericht hindurchführen bis hinein in sein ewiges Reich. Dort werden uns keine Schmerzen, kein Leid und keine Sorgen mehr belasten. Es gibt eine Legende von zwei Mönchen, die einander geistlich und seelisch außergewöhnlich verbunden waren. Sie versprachen sich gegenseitig, dass der erste von ihnen, der in den Himmel kommt, dem anderen im Traum mitteilen wird, wie es dort aussieht. Dabei verabredeten sie die Sprachregelung: Wenn es im Himmel so aussieht, wie sie es sich vorgestellt hatten, dann sollte gesagt werden: „totaliter“ (genauso). Im anderen Fall: „aliter“ (ganz anders). So geschah es dann auch. Als der eine verstorben und im Himmel angekommen war, sagte er seinem Freund in dessen Traum nur zwei Worte: „totaliter aliter“.

Ihr Heiner Leiterle